Bundesamt für Polizei

Terroristische Anschläge unter Leitung von "Carlos" anfangs der 80er Jahre: Ermittlungsverfahren eingestellt.

(Bundespolizeil/Bundesanwaltschaft)

Medienmitteilungen, fedpol, 21.06.2000

Bern, 20. Juni 2000. Die Bundesanwaltschaft hat die gerichtspolizeilichen Ermittlungen gegen mehrere Schweizer sowie einen in der Schweiz wohnhaften Ausländer wegen Verdachts der Beteiligung an Mord bzw. Mordversuch im Zusammenhang mit Sprengstoffanschlägen unter vermuteter Leitung von "Carlos" eingestellt.

Seit Mitte der 70er Jahre war allgemein bekannt, dass "Carlos" (richtiger Name Illich Ramirez Sanchez) massgeblich verantwortlich sein dürfte für terroristische Anschläge gegen zahlreiche Personen und Objekte in Westeuropa. Er ist auf Fahndungslisten wegen mehrfach begangenen Mordes, Sprengstoffdelikten usw. und international gesucht worden, bis er im Sommer 1994 im Sudan verhaftet und nach Frankreich überstellt wurde.

In der Zeit von Februar 1981 bis April 1983 wurden diverse Anschläge verübt, bei denen ferngezündete Sprengsätze verwendet wurden. Betroffen waren der Sender "Radio Free Europe" in München, die französische Botschaft in Beirut, die Zeitungsredaktion der "al Watan al Arabi" in Paris und der saudiarabische Botschafter in Griechenland in einem Vorort von Athen. Bei all diesen Anschlägen wurden eine grosse Anzahl von Personen getötet und weitere schwer verletzt. Zudem entstand Sachschaden in Millionenhöhe.

Bis heute steht nicht fest, wer an diesen Anschlägen beteiligt war und ob auch in der Schweiz wohnhafte Personen dazu gehören. Letztere standen im Verdacht, die Organisation von "Carlos" logistisch unterstüzt zu haben (Vermittlung von gefälschten Pässen, Kontakte zu Exponenten radikaler ausländischer Organisationen, Beschaffung und Weitergabe von Informationen etc.).

Zwischen 1993 und 1995 eröffnete die Bundesanwaltschaft gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren gegen sieben Personen wegen Verdachts der Gehilfenschaft zu Mord im Zusammenhang mit den oberwähnten Sprengstoffanschlägen.

Im Herbst 1994 kam es zu Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Befragungen der beschuldigten Personen.

Umfangreiche Ermittlungen wurden in der Schweiz und im Ausland vorgenommen. Zahlreiche Länder (Deutschland, Frankreich, Ungarn, Rumänien, Griechenland, Libanon und weitere) wurden rechtshilfeweise um Zusammenarbeit ersucht. Die internationale Kooperation gestaltete sich in einigen Ländern als zeitaufwändig und schwierig. Viele der erhaltenen Dokumentationen mussten übersetzt werden. Befragte Zeugen vermochten sich zum Teil nicht mehr an die weit zurückliegenden (17 – 19 Jahre) und im Ausland sich ereigneten Vorkommnisse zu erinnern, erteilten bruchstückhaft Auskünfte oder verweigerten diese generell. Die meisten der befragten Beschuldigten gaben Kontakte zu "Carlos" oder zu Mitgliedern seiner Organisation zu und beschrieben Einzelheiten; teilweise wurde eingeräumt, dass durch technische oder andere Beiträge die "Carlos-Gruppe" unterstützt wurde. Dies machte weitere umfangreiche und zeitraubende Abklärungen notwendig.

Gesamthaft betrachtet, ergaben die gerichtspolizeilichen Ermittlungen Hinweise, welche für die Einbindung der Beschuldigten in die "Carlos"-Gruppe in der Zeit 1979-1983 sprachen. Der schwere Tatverdacht liess sich jedoch nicht hinreichend erhärten. Es liegen keine genügenden Beweise für eine wissentliche un willentliche Beteiligung der Beschuldigten an konkreten Verbrechen vor. Die im Ermittlungsverfahren gewonnenen Erkenntnisse erlauben keine Anklageerhebung. Das Verfahren gegen sie war deshalb einzustellen.

Kontakt / Rückfragen
Mediendienst fedpol, T +41 31 323 13 10, Kontakt