Bundesamt für Justiz

Entführte Kinder: Mehr Rückführungsanträge an das Ausland als an die Schweiz

Statistik 2006 der Schweizerischen Zentralbehörde

Medienmitteilungen, BJ, 28.02.2007

Bern. Die Zentralbehörde zur Behandlung internationaler Kindesentführungen im Bundesamt für Justiz (BJ) hat im Jahr 2006 insgesamt 179 Fälle behandelt. 93 Fälle wurden aus dem Vorjahr übernommen. Von den 86 neuen Anträgen betrafen 61 die Rückführung von Kindern und 25 die Ausübung des Besuchsrechts. Die Rückführungsanträge an das Ausland überwogen deutlich jene an die Schweiz.

Wie in vorangegangenen Jahren richtete die Schweizerische Zentralbehörde auch 2006 wesentlich mehr Anträge auf Rückführung ans Ausland als sie vom Ausland erhielt, bei den Anträgen auf Ausübung des Besuchsrechts waren es gar mehr als dreimal so viel. Im letzten Jahr übermittelte die Zentralbehörde Gesuche namentlich an die USA (8), Frankreich (7), Italien (6), Serbien (6) und Portugal (4). Anträge an die Schweiz kamen hauptsächlich aus Deutschland (7), Frankreich (6), Portugal (3) und Kanada (2).

Kinder häufiger von der Mutter entführt
Entführender Elternteil war auch im vergangenen Jahr häufiger die Mutter (68 % der Fälle). Bei der Verweigerung des Besuchsrechts war der Anteil der Mütter noch höher (80 % der Fälle). Von den neuen Rückführungs- und Besuchsanträgen waren 118 Kinder betroffen. Ihr Durchschnittsalter betrug rund sechs Jahre.

Fälle mehrheitlich über das Haager Abkommen abgewickelt
Die Schweiz ist über das Haager Kindesentführungs-Übereinkommens und das Europäische Sorgerechts-Übereinkommen mit 73 Staaten vertraglich verbunden.

Die meisten Rückführungs- und Besuchsanträge stützen sich auf das Haager Kindesentführungs-Übereinkommen; das Europäische Sorgerechts-Übereinkommen wird hingegen jährlich in weniger als fünf Fällen angerufen. Beide Übereinkommen verfolgen das gleiche Ziel: Zum Schutz des Kindeswohls stellen sie das durch eine Entführung verletzte Sorgerecht wieder her und gewährleisten die Ausübung des Besuchsrechts. Sie haben zudem eine beachtliche präventive Wirkung. Die Nationalität des Kindes und der Eltern spielt bei der Anwendung der beiden Übereinkommen keine Rolle.

Anträge der Schweiz ans Ausland
 

2006 

 2005 

2004

 2003 

 2002

 2001  

 2000  

Anträge auf Rückführung

42

 36

37

 42

29

30

33

Anträge auf Ausübung des Besuchsrechts

14

18

9

 10

17

13

12

Total neue Fälle

56

 54

46

 52

46

 43

46

Anträge des Auslandes an die Schweiz
 

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

Anträge auf Rückführung

19

24

12

18

15

27 

12

Anträge auf Ausübung des Besuchsrechts

11

5

6

 9

7

8

4

Total neue Fälle

30

29

18

27

22

 35

16

Kontakt / Rückfragen
David Urwyler, Bundesamt für Justiz, T +41 58 463 41 32 , Kontakt