Ein Nein garantiert keine neue Volksrechtsreform
Interviews, EJPD, 30.01.2003. Basler Zeitung (Thomas Gubler)
«BASLER ZEITUNG»: Frau Bundesrätin Metzler, in zehn Tagen stimmen wir über die Reform der Volksrechte ab, doch ein Abstimmungskampf ist nicht auszumachen.
Stösst die Vorlage auf so wenig Interesse, oder hat Staatspolitik derzeit keine Konjunktur?
RUTH METZLER: Beide Erklärungen haben etwas für sich. Ich sehe aber noch eine dritte. Was beschäftigt die Leute und welches sind ihre Sorgen? Wenn wir diesen Abstimmungskampf mit demjenigen über dieAsylinitiative vergleichen, dann ist der Unterschied frappant. Die Volksrechtsreform beschäftigt die Leute entschieden weniger. Das wiederum hängt mit der Ausgangslage zusammen. Wir verfügen bereits über funktionierende Volksrechte.
Was aber nichts anderes heisst, als dass Staatspolitik heute halt doch weniger gefragt ist als themenbezogene Sachpolitik?
Ich sehe es nicht negativ. Unsere direkte Demokratiefunktioniert ja, und deren Grundwerte stehen nicht zur Debatte. Sobald die Vorlagen aber konkreter werden, ist auch Staatspolitik wieder gefragt. Das haben Beispiele wie das Frauenstimmrecht oder die Abstimmung über das Stimm- und Wahlrechtsalter 18 gezeigt.
Wenn aber alles so zum Besten bestellt ist, wie Sie sagen, dann brauchen wir doch auch keine Volksrechtsreform?
Doch. Auch wenn die Situation gut ist, kann und soll mannichtsdestotrotz immer wieder Verbesserungen anstreben, insbesondere, wenn es darum geht, neuen Entwicklungen gerecht zu werden. So wird etwa unser Recht immer internationaler. Also soll das Volk vermehrt auch bei völkerrechtlichen Verträgen von Anfang an mitsprechen können und nicht erst bei der Ausführungsgesetzgebung. Die andere Verbesserung ist, dass ein Anliegen nicht auf Verfassungsebene umgesetzt werden muss, wenn dafür die Gesetzesebene ausreicht. Rund zwei Drittel der Verfassungsinitiativen der letzten sieben Jahre hätten auch mit einer Gesetzesrevision realisiert werden können. Und genau dem trägt das neue Volksrecht der allgemeinen Volksinitiative Rechnung.
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