Ein Jahr der Frauen

Schlagwörter: Gleichstellung

Interviews, EJPD, 08.03.2018

Gastbeitrag von Bundesrätin Simonetta Sommaruga zum Weltfrauentag im Blick.

"Schön wäre es, wenn 2018 zum Jahr der Frauen wird. Ich glaube daran. Denn die Zeit ist reif. Und die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Für mehr Sicherheit für unsere Frauen. Für mehr Lohn. Für mehr Chancen", Bundesrätin Sommaruga in einem Gastartikel zum Weltfrauentag im Blick

 

Heute ist der Tag der Frauen.

Schön wäre es, wenn 2018 zum Jahr der Frauen wird.

Ich glaube daran. Denn die Zeit ist reif. Und die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Für mehr Sicherheit für unsere Frauen. Für mehr Lohn. Für mehr Chancen.

Mehr Sicherheit: Die grösste Gefahr für Frauen lauert nicht im Wald oder in einer Unterführung, sondern zu Hause – in den eigenen vier Wänden. Von den 25 Frauen, die 2016 in unserem Land getötet wurden, sind 18 durch häusliche Gewalt gestorben. Und jeden Tag rückt die Polizei mehrmals aus, weil ein Mann daheim zuschlägt.

Die dramatische Situation, in der sich Gewaltopfer befinden, habe ich selber gesehen. Ich habe als junge Frau in einem Haus für geschlagene Frauen gearbeitet. Seither weiss ich: Diese Gewalt muss aufhören. Wir müssen Frauen besser schützen. Nun handelt der Bundesrat. Mit einem besseren Schutz für die Opfer. Und mit Fussfesseln gegen Stalker und Belästiger.

Mehr Lohn: Kein Mann würde akzeptieren, dass er Ende Monat fast 600 Franken weniger auf dem Konto hat als seine Arbeitskollegin – nur weil er ein Mann ist. Für Frauen ist das bis heute Realität. Sie bringen die gleiche Leistung, haben die gleiche Erfahrung und Ausbildung – nur ihr Lohn ist aufs Jahr gerechnet 7000 Franken tiefer.

Den Schweizer Frauen entgeht dadurch viel Geld. Vor allem, wenn man die 7000 Franken auf ein ganzes Arbeitsleben hochrechnet. Damit muss Schluss sein. Der Bundesrat verlangt deshalb von den grössten Schweizer Arbeitgebern, dass sie ihre Löhne überprüfen. Die Arbeitgeber müssen Transparenz schaffen. Das genügt. Denn es wirkt. Es möchte doch kein Chef seinen Angestellten sagen: «Frauen erhalten bei uns weniger Lohn. Und das ist mir egal.»

Mehr Chancen: In Chefetagen der grossen Schweizer Unternehmen gibt es kaum Frauen. Von zehn Kaderleuten sind neun Männer. Und Besserung ist leider nicht in Sicht. Männer ziehen lieber Männer nach. Der Bundesrat gibt den Firmen deshalb ein Ziel vor: Sie sollen den Frauenanteil in der Teppichetage erhöhen. Nicht sofort, sondern im Verlauf der nächsten Jahre.

Bussen gibt es auch hier nicht. Der Bundesrat verlangt von den Firmen nur eines: Transparenz. Eine Firma, die es nicht schafft, zwei von zehn Chefposten mit Frauen zu besetzen, soll hierfür die Gründe nennen. Das wirkt. Denn es kann doch im Jahr 2018 niemand mehr ernsthaft behaupten, wir hätten in der Schweiz keine fähigen Frauen.

Für den Bundesrat ist klar: Für die Schweizer Frauen muss es endlich vorwärtsgehen. Er hat dem Parlament deshalb drei konkrete Projekte vorgelegt. Für mehr Sicherheit, mehr Lohn und mehr Chancen. Jetzt ist das Parlament am Zug. Wer nichts tun will, findet immer einen Grund. Nicht jetzt. Nicht so.

Um vorwärtszumachen, gibt es dagegen über 4 Millionen gute Gründe: Jede einzelne Frau in diesem Land.

An jede von ihnen erinnert uns der Tag der Frauen.

Und an sie denke ich, wenn ich die drei Vorlagen im Parlament verteidige.

 

Simonetta Sommaruga, Bundesrätin 

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nach oben Letzte Änderung 08.03.2018