"Wir alle müssen stark sein"

Schlagwörter: Pandemie

Interviews, EJPD, 24.04.2020. Schweizer Freisinn

Im Interview mit dem "Freisinn" erklärt Bundesrätin Karin Keller-Sutter, wie sie persönlich mit der Krise umgeht und in welchen Bereichen sie nun ganz besonders gefordert ist.

Wie betreffen Sie die Einschränkungen wegen Corona persönlich?
Auch mein Leben hat sich sehr verändert. Meine persönlichen Kontakte habe ich auf das Nötigste eingeschränkt, und Sitzungen finden praktisch ausschliesslich über Skype statt. Es gibt eine Ausnahme: Der Bundesrat trifft sich wie üblich zu seinen Sitzungen, wobei er die BAG-Empfehlungen berücksichtigt. Die Corona-Krise beschäftigt mich und die anderen Mitglieder des Bundesrates fast rund um die Uhr. Und die Situation kann sich sehr schnell verändern: Was heute noch gewiss scheint, kann morgen schon völlig überholt sein. Das spüren wir alle im Bundesrat.

Woran arbeiten Sie zurzeit am intensivsten?
Mein Departement ist stark gefordert. Wir haben wichtige Entscheide wie die Grenzschliessungen vorbereitet und sind in alle rechtlichen Fragen rund um die Covid-Verordnung involviert. Zudem ist für mich als EJPD-Vorsteherin zentral, dass die Kernfunktionen der Institutionen, der Justiz, des Asylsystems aufrechterhalten werden. Wichtig ist für mich auch, dass wir gestützt auf Fakten und mit Augenmass über notwendige Massnahmen entscheiden. Die Einschränkungen dürfen nicht weitergehen als nötig. Dafür setze ich mich ein. Für mich als liberale Bundesrätin ist es nicht einfach, die Freiheit der Menschen so stark einzuschränken. Aber wir befinden uns in einer "ausserordentlichen Lage" und müssen die Menschen in unserem Land schützen. Der Staat, die Gesellschaft, wir alle müssen stark sein und uns auf das gemeinsame Ziel konzentrieren.

Was hat Sie in den letzten Wochen besonders berührt?
Es berührt mich sehr, wie verantwortungsvoll unser Land diese Krise angeht. Ich war im Rheintal am Grenzübergang Au und habe die Firma SFS besucht. In dieser Exportregion arbeiten viele Grenzgänger. Hier sieht man ganz konkret, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Gesundheit, Grenzkontrollen und Arbeitsplätzen ist. Besonders nahe geht mir auch die Schliessung der vielen Geschäfte. Ich bin selbst in einem Restaurant aufgewachsen und weiss, was das für die eigene Existenz bedeutet. Die Konsequenzen für die Wirtschaft sind schon heute gravierend. Ich bin aber überzeugt, dass unser Land die Stärke hat, um die Krise zu meistern.

nach oben Letzte Änderung 24.04.2020