"Es ist beunruhigend, wie viele Waffen wir in der Schweiz haben"

Bundesrätin Ruth Metzler zur Verschärfung des Waffengesetzes

Schlagwörter: Waffen

Interviews, EJPD, 21.09.2003. SonntagsZeitung, Othmar von Matt

Frau Bundesrätin, Sie schlagen ein zentrales Waffenregister vor. Weshalb?
Die Vernehmlassung zeigte: Bei der Teilrevision war nicht alles ausgereift. Gewisse Dinge wurden nicht richtig verstanden. So die Frage, ob alle Waffen erfasst und registriert werden. Diesen Punkt möchte ich vertieft klären, weshalb ich die Schaffung eines Waffenregisters vorschlage, das alle Waffen in der Schweiz erfasst. Auf Grund der Vernehmlassung und persönlichen Gesprächen kam ich zur Überzeugung: Wir müssen weiter gehen.

Weshalb jetzt? Soll die Linke eingebunden werden?
Es geht nicht um links oder rechts, sondern um die Sicherheit der Bevölkerung. Es ist auch in der Schweiz nicht einfach eine Selbstverständlichkeit, eine Waffe zu besitzen.

Kantone und Waffenorganisationen kritisieren die Teilrevision stark.
Mit der teilweise pauschalen Opposition tue ich mich schwer, weil ich vom Anliegen der Teilrevision überzeugt bin. Gleichzeitig soll die Vernehmlassung breiter abgestützt werden. Sie hat ein einseitiges Bild ergeben, da wir bisher vor allem die direkt Betroffenen angeschrieben hatten: Kantone und Organisationen, die mit Waffen arbeiten. Zusätzlich sollen indirekt Betroffene wie Frauenverbände, die Opferhilfe und die Jungparteien berücksichtigt werden, um ein ausgewogeneres Bild zu erhalten.

Sie sprachen von persönlichen Gesprächen.
Ich habe zusätzlich mit privaten Jägern und Sportschützen gesprochen und stellte ein sehr grosses Verständnis fest. Sie verstehen nicht, dass man den Waffenerwerbsschein für den Privathandel ablehnen kann. Aus dem Bekanntenkreis weiss ich, dass es fast zum Ehestreit kommen kann, vergisst der Mann, den Waffenschrank abzuschliessen. Partnerinnen von Jägern und Sport schützen sind sich der Gefahren einer Waffe sehr bewusst, vor allem, wenn sie Kinder haben. Da sind Ängste vorhanden. Ich habe mich auch mit der Frage beschäftigt, wie Jugendliche in Jungschützenkursen mit Waffen umgehen: sehr verantwortungsvoll. Beunruhigend finde ich, wie viele Waffen wir in der Schweiz haben: zwischen einer und drei Millionen.

Gerade Sportschützen und Jäger dürfte das Register kaum freuen.
Ein Waffenregister bietet doppelten Schutz: Einerseits werden jene offiziell legitimiert, die Waffen zu Jagd-, Sportoder Sammlerzwecken besitzen, und von jenen abgegrenzt, die Missbrauch treiben. Andererseits wird die Gesamtbevölkerung vor Missbrauch geschützt.

Gesellschaftliche Veränderungen haben hier ein teilweises Umdenken bewirkt?
Es existiert heute ein gesellschaftlicher Druck gegen Waffen und Waffenbesitz. Zudem greift man schneller zu Waffen, wird schneller gewalttätig. Dies zeigen die Statistiken. Wir müssen eine Balance finden zwischen diesen gesellschaftlichen Entwicklungen und unserer Tradition mit den Sportschützen, Jägern und Sammlern. Sie haben ein Interesse daran, dass einzelne schwarze Schafe aufgedeckt werden. Da decken sich unsere Interessen. Die Revision des Waffengesetzes und die Waffentradition in der Schweiz müssen sich nicht widersprechen.

nach oben Letzte Änderung 21.09.2003