"Sie haben etwas geleistet, das von unschätzbarem Wert ist"

Reden, EJPD, 01.07.2014. Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Rede von Bundesrätin Simonetta Sommaruga anlässlich der Sitzung des Runden Tischs für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen vom 1. Juli 2014.

Meine Damen und Herren

Ich weiss nicht, wie es für Sie ist – aber für mich ist das ein sehr spezieller Moment.

Ich erlebe in der Politik nun wirklich einiges, aber das, was ich heute, in diesem Moment empfinde, das erlebe ich selten: Ich bin wirklich gerührt. Ich bin berührt, und es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden, die ich an Sie richten kann. Ich habe aber immerhin eine Ahnung, warum es schwierig ist, heute die richtigen Worte zu finden.

In der Politik geht es um Dossiers. Es geht um politische Geschäfte. Das, worum es an diesem Runden Tisch geht, kann man unmöglich als Dossier oder als politisches Geschäft bezeichnen. Das, worum es hier geht, ist zu menschlich, als dass man einen solchen kalten Begriff wählen könnte.

Und das ist es wohl, was dieses Thema so besonders macht: Die Menschen und das, was sie erlebt haben und was sie heute noch erleben, das ist in jedem Moment unmittelbar und intensiv spürbar.

Das zeigt sich auch in den Briefen von Betroffenen, die ich seit dem Gedenkanlass immer wieder erhalte. Viele dieser Briefe sind mir unter die Haut gegangen. Was Menschen mir geschildert haben, was sie erlebt haben und was man ihnen angetan hat, das hat mit erschüttert und immer wieder zutiefst berührt.

Wenn die menschliche Würde verletzt wird, macht uns das immer wieder sprachlos. Das ist es, warum es so schwierig ist, heute die richtigen Worte zu finden.

Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir nur einen kurzen Blick zurück:

Als ich vor über einem Jahr entschied, dieses Thema anzugehen und die Geschichte der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen aufzuarbeiten, haben mich einige Personen gewarnt. Sie haben gesagt, ich solle die Finger von dieser Sache lassen, ich würde mir nur die Finger verbrennen.

Aber genau das war ja das Problem: Es war schon viel zu lange weggeschaut worden. Und wer lieber wegschaut, statt zu wagen, sich auch einmal die Finger zu verbrennen, sollte eigentlich die Finger von der Politik lassen.

Ich habe mich, und ich hoffe, Sie haben das gespürt, ich habe mich auf dieses Thema eingelassen; und ich bin sehr froh, habe ich es getan.

Heute stelle ich fest: Der Runde Tisch, und damit Sie alle, meine Damen und Herrn, Sie haben meine optimistischsten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern auch übertroffen – und zwar in jeder Hinsicht. Der Zeitplan für den Runden Tisch war ja weiss Gott ehrgeizig – er wurde eingehalten. Die Zusammensetzung des Runden Tisches stellte für viele eine grosse Herausforderung dar – es gab zwar Spannungen, es gab zwar immer wieder schwierige Momente.

Aber Sie alle, die jetzt heute hier sind, Sie haben diesen Prozess getragen. Sie haben ihn gestützt. Und Sie sind dabei geblieben. Auch wenn das für viele nicht einfach war und allen viel Kraft gekostet hat, die hier am Tisch sitzen.

Und schliesslich haben Sie einen Bericht erarbeitet, den ich noch nicht im Detail lesen konnte. Aber was ich bereits gesehen habe, zeigt: Dieser Bericht ist sehr umfassend und enthält viel Substanz. Ich freue mich, ihn so rasch wie möglich zu lesen.

Natürlich möchten Sie jetzt von mir wissen, wie es weitergeht mit diesem Bericht. Dazu heute nur so viel: Wie gesagt, ich werde den Bericht so rasch wie möglich studieren und ich werde dann mitteilen, wie ich mir das weitere Vorgehen vorstelle. Ich kann Ihnen heute sagen: Ich werde mir nicht viel Zeit lassen, das heisst, es wird nach der Sommerpause nicht lange dauern, bis ich Sie über meine Absichten informieren kann.

Eines verspreche ich Ihnen heute: Ich werde mich weiterhin mit all meinen Möglichkeiten einsetzen, dass mit der umfassenden Aufarbeitung dieses Themas ernst gemacht wird. Ich werde alles daran setzen, dass die Arbeit dieses Runden Tisches politische Folgen hat.

Mir bleibt zum Schluss der Dank.

Ich danke allen Mitgliedern des Runden Tisches von ganzem Herzen. Sie haben etwas geleistet, das von unschätzbarem Wert ist.

Ich danke den Betroffenen – ich weiss, dass vielen die Arbeit oft nicht leicht gefallen ist.

Mein Dank gilt in gleichem Masse auch den übrigen Involvierten:

Den Behörden und Wissenschaftlern danke ich für ihr Engagement.

Den weiteren Involvierten danke ich ganz ausdrücklich und herzlich dafür, dass sie sich aktiv und konstruktiv an diesem Prozess beteiligten. Ich rechne Ihnen das hoch an, und zähle auch bei den weiteren Schritten auf Sie.

Ich danke auch dem Bundesamt für Justiz und dem Delegierten des Runden Tisches. Zunächst, auch wenn er heute nicht hier ist, danke ich Hansruedi Stadler. Er hat sich mit Leib und Seele engagiert, und ihm verdanken wir sehr Vieles.

Und ich danke herzlich seinem Nachfolger, dem stellvertretenden Direktor,Luzius Mader, der nicht nur seine Erfahrung und Kompetenz eigenbracht hat, sondern der sich ebenfalls in einem ganz ausserordentlichen Mass engagiert hat – und ich meine damit eben auch wieder: menschlich engagiert hat.

Meine Damen und Herren: Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, und ich freue mich, mit Ihnen weiterhin zusammenzuarbeiten.

nach oben Letzte Änderung 01.07.2014