Bundespräsidentinnenfeier in Köniz

Reden, EJPD, 11.12.2014. Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Ansprache von Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Herr Bundespräsident, Herr Nationalratspräsident, Herr Ständeratspräsident, Frau Regierungspräsidentin, Frau Grossratspräsidentin, Herr Gemeindepräsident, geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Behörden, liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Jugendliche und Kinder

Ich freue mich sehr, dass Ihr heute da seid. Ich habe Euch herzlich zu danken.

Für die Unterstützung, für die guten Wünsche – ich werde Euch heute Abend beim Essen noch etwas ausführlicher danken. Weil ich so viel erhalte heute, möchte ich Euch etwas Kleines zurückgeben. Ich habe deshalb eine Überraschung mitgebracht, und zwar – einen Film.

Ihr werdet ihn nach meiner kurzen Ansprache sehen. Und Ihr vermutet natürlich richtig: Es ist ein sehr politischer Film. Ich will nicht zu viel verraten, deshalb nur einige Hinweise vorab: Zwei Personen haben ein Ziel, und das wollen sie erreichen – es geht ihnen also wie manchmal dem Bundesrat oder dem Parlament.

Die Zusammenarbeit erweist sich dann aber als schwierig. Man kann manchmal kaum zuschauen – das kann ja nicht gut gehen, wenn der eine in diese Richtung zieht und der andere in die andere. Immer wieder stellt sich die Frage:

Wer ist schuld, dass es nicht so läuft, wie es laufen sollte? Wer trägt überhaupt die Verantwortung? Der eine? Der andere? Oder beide zusammen?

Mit zunehmender Dauer des Films werden sich manche denken: Politik ist reine Sisyphusarbeit. Man arbeitet und arbeitet und kurz vor dem Ziel heisst es: zurück auf Feld eins, nochmals von vorne beginnen.

Ja, wir wissen es: Politik ist das Bohren harter Bretter – die beiden Protagonisten wissen es nicht. Sie versuchen, ihren Auftrag auf dem schnellsten, auf dem direkten Weg zu erfüllen. Ihr Weg entpuppt sich folgerichtig als politischer Lernprozess:

Manchmal ist der etwas weitere Weg der einfachere, sicherere und vor allem der einzige Weg, der zum Ziel führt. (Ich bitte die geschätzten Medienschaffenden, mir morgen in der Zeitung nicht zu unterstellen, das sei eine Metapher gewesen für die Umsetzung einer Volksinitiative!)

Das letzte Hindernis überwinden unsere zwei Filmhelden dann nur durch Zufall und Glück – Und auch das weiss ich aus vier Jahren im Bundesrat:

Als Bundesrätin gibt’s viel Kritik – manchmal ist sie begründet, manchmal ist sie ungerecht. Man erhält aber auch Lob.

Und, wenn ich ehrlich bin:
Das Lob ist manchmal ebenso ungerecht. Denn: Was als geschickter und kluger politischer Schachzug gelobt wird, ist hin und wieder nichts anderes als eine Mischung aus Intuition und Glück. (Das bezog sich jetzt übrigens nicht auf den Entscheidungsprozess des Bundesrats bei der Frauenquote.)

Ein letzter Grund, warum unsere Protagonisten ihr Ziel schliesslich erreichen, ist folgender:
Die beiden raufen sich immer wieder zusammen. Sie streiten sich zwar heftig, ihre Lage ist manchmal buchstäblich festgefahren. Aber sie bleiben zusammen. Sie gehen trotz aller Schwierigkeiten gemeinsam weiter.

Denn sie wissen: Die Aufgabe, die sie haben, kann keiner von ihnen alleine bewältigen. Sie sind aufeinander angewiesen.
Und wir wissen: Genauso ist es in der Politik, ganz besonders in unserer direkten Demokratie.

Meine Damen und Herren, ich habe letzten Mittwoch nach meiner Wahl gesagt, Bundespräsidentin dieses Landes zu sein, sei für mich eine Ehre, aber auch eine Verpflichtung.

Ich fühle mich auch Euch allen verpflichtet. Diese Verpflichtung gibt mir Kraft, denn ich weiss: Neben hoffentlich viel Gutem erwarten mich auch schwierige Prüfungen.

Mir ist auch bewusst: Niemand meistert in unserem politischen System grosse Herausforderungen allein. Die grosse Rentenreform? Die grosse Energiewende? Das schafft der Bundesrat nicht allein. Das schafft das Parlament nicht allein. Das schaffen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht allein.

Ich habe deshalb in den letzten Tagen immer wieder betont:

In unserer direkten Demokratie sind alle wichtig.

Die Bevölkerung, die Parlamente und die Exekutivbehörden – hier in Köniz, in Bern und überall in der Schweiz.
Ich weiss also, meine Damen und Herren, ich weiss, liebe Freundinnen und Freunde, ich bin auch im nächsten Jahr auf Eure Unterstützung angewiesen.

Ich danke euch, ich danke euch herzlich, dass Ihr heute da seid.

Eine letzte Bemerkung, bevor ich dann sage "Film ab." Ich wuchs in einem Zuhause ohne Fernseher auf, aber an den Feiertagen um den Jahreswechsel war alles ganz anders. Da schauten wir Filme, Filme wie jenen, den ich euch mitgebracht habe. Dieser Film weckt Erinnerungen an meine Kindheit, und ich kann mir nicht vorstellen, diesen Film ohne Kinder zu sehen. Holt bitte die Kinder rein, und dann: Film ab!

 

(Quelle: Youtube)

nach oben Letzte Änderung 11.12.2014