"Nie wieder Auschwitz"

Reden, EJPD, 27.01.2015. Schriftliche Grussbotschaft der Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am Dienstag, 27. Januar 2015

"Nie wieder Auschwitz" ist ein Wunsch aus tiefstem Herzen, der uns seit vielen Jahrzehnten begleitet. Einige Menschen, die durch die Hölle des grössten ehemaligen Vernichtungslagers gehen mussten, sind noch unter uns. Ein Schweizer Überlebender wird heute auch in Auschwitz zugegen sein, wo wir, und mit uns die ganze Welt, der Befreiung des Lagers vor genau 70 Jahren und der zahllosen Opfer einer menschenverachtenden Politik gedenken werden.

Gábor Hirsch war noch ein Kind, als er mit seiner Familie aus Ungarn deportiert wurde. Das hätte niemals geschehen dürfen. Aber es ist geschehen, unlängst, im Herzen von Europa. Er und andere Überlebende, die nach dem Krieg in der Schweiz eine neue Heimat gefunden haben, haben sich zur "Kontaktstelle für Holocaust-Überlebende in der Schweiz" zusammengeschlossen. Mit Unterstützung des Bundes hat die Kontaktstelle eine Reihe von bisher unveröffentlichten Zeitzeugenberichten veröffentlicht. Die letzten drei Memoirenhefte und den Abschlussband habe ich heute von den Herausgebern entgegengenommen. Das persönliche Treffen mit den Überlebenden hat mich bewegt, und ich bin dankbar für die Möglichkeit, diese Schicksalsberichte zu lesen.

Seit der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind 70 Jahre vergangen. Können wir auf 70 Jahre des Miteinanders nach qualvollen Jahren des Gegeneinanders zurückblicken? Ja und nein. Gewalt, Herrschaftsanspruch, Hass, Tod bedrohen auch heute noch die Werte des Miteinanders – Stabilität und Frieden.

Ende der 1990er Jahre begann der Prozess, der zur Etablierung des 27. Januars als internationalen Holocaust-Gedenktag führte. Im Jahre 1998 wurde die International Holocaust Remembrance Alliance ins Leben gerufen, der die Schweiz seit 2004 angehört. Die Schweiz bekennt sich vorbehaltlos zur Stockholm Declaration, die anlässlich einer internationalen Konferenz im Jahre 2000 verabschiedet wurde. Wir erheben unsere Stimme gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Ausgrenzung und Ausländerfeindlichkeit, gegen Gewalt und Terror.

Miteinander statt gegeneinander – wir alle stehen jeden Tag von neuem in der Verantwortung, unseren Beitrag für ein Zusammenleben in gegenseitigem Respekt zu leisten.

nach oben Letzte Änderung 27.01.2015