Expo Milano 2015

Rede von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga

Reden, EJPD, 18.05.2015. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Expo Milano 2015 (Foto: Keystone)
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Geschätzter Commissario Unico
Sehr geehrte Herren Präsidenten des National- und Ständerats
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kantone und der Städte
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Expo
Liebe Besucherinnen und Besucher der Expo

Nicht nur hier in Italien – aber in Italien ganz besonders – denken wir beim Thema Nahrung und Ernährung an:
Geschmack und Genuss. An Kultur und Kreativität. Wir denken an Gastlichkeit und Grosszügigkeit. An Sinnlichkeit, Lebensfreude und Lebenslust.

Eine Weltausstellung ist stets auch eine Ausstellung über uns selbst: darüber, wie wir Menschen zusammenleben und wie wir die Welt prägen, gestalten und verändern.

Mit der Wahl des Themas „Den Planeten ernähren“ haben die Veranstalter ein klares Zeichen gesetzt. Das Thema soll in seiner ganzen Breite gezeigt werden, und gerade beim Thema Ernährung wissen wir alle:

Ernährung, das bedeutet auch: Not und Mangel. Hunger und Leid. Ausbeutung, Raubbau und Verschwendung.

Meine Damen und Herren, das Ziel ist klar: Jeder Mensch hat Anrecht auf gesunde und ausreichende Ernährung.
Wo stehen wir heute? – Es gibt durchaus gute Nachrichten:

Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Zahl der Hungernden weltweit um mehr als 200 Mio. verringert. Diese Zahlen machen Mut. Und das heisst auch: Wir machen vieles richtig. Wir wissen aber auch:

  • 800 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen.
  • Und einer von neun Menschen weltweit geht jeden Abend hungrig zu Bett.

Die Ernährungssicherheit ist ein komplexes Thema und die Bekämpfung von Hunger weit mehr als bloss eine Frage der Verteilung der vorhandenen Nahrung: Hungerbekämpfung geht Hand in Hand mit der Senkung der Armut.

Und da stellen sich auch ein paar unbequeme Fragen:

  • Warum verharren viele Länder in bitterer Armut, obwohl ihre Böden reich sind an Erdöl, Gold, Kupfer, Diamanten und vielen anderen wertvollen Mineralien und Metallen?
  • Wie ist es möglich, dass von den 25 Ländern mit der weltweit höchsten Kindersterblichkeit 12 Länder rohstoffreiche afrikanische Staaten sind?

Sehr geehrte Damen und Herren, wir kämpfen gegen den Hunger und für die Ernährungssicherheit. Wir investieren viel Geld in die Entwicklungszusammenarbeit. Die Schweiz hat zum Beispiel allein im letzten Jahr die ärmsten Länder mit 3 Mrd. Franken unterstützt.

Aber was tun wir, wenn wir feststellen, dass in rohstoffreichen Staaten der Reichtum nicht für die Armutsbekämpfung eingesetzt wird?

Sind wir aufmerksam genug?

Sind wir mutig genug und setzen uns für eine gerechte Verteilung des Reichtums ein?

Denn eines ist klar: 70 Prozent der Menschen, die von extremer Armut betroffen sind, leben heute in rohstoffreichen Staaten.

Und solange wir es nicht schaffen, diesen Widerspruch aufzulösen, so lange werden wir es nicht schaffen, den ganzen Planeten zu ernähren.

Meine Damen und Herren, es gibt unzählige Hebel, um Hunger und Armut zu bekämpfen, ich möchte hier nur zwei nennen:
Auf staatlicher Ebene müssen wir die Transparenz im Rohstoffsektor erhöhen. Die Schweiz als führender Rohstoffhandelsplatz hat hier eine besondere Verantwortung. Der Bundesrat hat erste Vorschläge präsentiert, weitere Schritten müssen folgen.

Und auf individueller Ebene kann jede und jeder von uns einen Beitrag leisten durch das eigene Konsumverhalten. Hier spielt die Schweiz eine sehr gute Rolle: Kein anderes Land konsumiert pro Kopf mehr Fairtrade- und Bio-Produkte.

Meine Damen und Herren, die Expo Milano 2015 wirft Fragen von grösster Relevanz auf. Ich wünsche der Expo deshalb viel Beachtung und Erfolg.

Ich danke den Veranstaltern, ich danke Italien und der Stadt Mailand für die Gastfreundschaft und überbringe Ihnen hiermit die Grüsse und Glückwünsche der Schweizer Landesregierung.

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nach oben Letzte Änderung 18.05.2015