Die Flügel des Wissens

Reden, EJPD, 09.11.2017. Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Rede von Bundesrätin Simonetta Sommaruga anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Le Monde des Anges – Engelwelten" in Freiburg, Museum für Kunst und Geschichte.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga steht am Rednerpult und spricht in ein Mikrofon. Im Hintergrund ist das Plakat der Ausstellung "Engelwelten - Le monde des anges" des Kunstmuseums Freiburg zu sehen.
enlarge_picture Bundesrätin Simonetta Sommaruga hält die Eröffnungsrede der Ausstellung "Engelwelten - Le Monde des Anges" in Freiburg (Foto: Staat Freiburg, F. Ragusa)


Cher Monsieur le conseiller d’Etat,
Chère Madame la directrice du Musée d’art et d’histoire,
Cher Monsieur le directeur du Musée Bible et Orient,
Chers créateurs de l’exposition,
Mesdames et Messieurs,

Je pourrais vous parler de mes anges préférés
Nés sous les pinceaux et les crayons de Paul Klee

Je pourrais vous parler de mes anges gardiens. Parce que j’en ai probablement.
Et surtout j’en ai grand besoin!

Je pourrais donc vous parler d’anges mais je préfère renoncer. J’ai préféré écouter les orateurs précédents.

C’est peut-être mieux ainsi.

Parce que je suis conseillère fédérale, chargée de la Justice. Et que je ne peux pas me permettre d’attendre que celle-ci tombe du ciel.

Himmel und Erde

Das war früher etwas anders:

Werner Stauffacher, zum Beispiel, hat seine ewigen Rechte direkt vom Himmel heruntergeholt. So beschreibt es zumindest Friedrich Schiller im Wilhelm Tell.

Heute sind diese ewigen Rechte in den Genfer Flüchtlingskonventionen, in der Europäischen Menschenrechtskonvention und in unserer  Bundesverfassung verankert.

Und sie heissen Menschenrechte. Und wir haben die edle – und manchmal sehr anspruchsvolle – Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Rechte umgesetzt und angewendet werden.

Meine tägliche Arbeit ist darum eine durch und durch irdische Angelegenheit. Sie besteht darin, sicherzustellen, dass unsere Gesetze für die Bevölkerung da sind; und zwar genau so, wie es die Präambel unserer Bundesverfassung formuliert:

Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.

Denn ich weiss: nicht jeder Mensch hat einen Schutzengel. Also müssen wir – die Gesellschaft, die Politik – dafür sorgen, dass niemand ohne  Schutz bleibt.

Im Familienrecht sieht das dann konkret so aus, dass das Wohl des Kindes immer im Zentrum steht, egal ob es um die Zuteilung des Sorgerechts oder die Höhe der Unterhaltszahlungen geht.

  • Um den Schutz der Schwachen geht es mir auch bei der Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung. Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Menschen hierzulande und irgendwo wie Leibeigene gehalten werden.
  • In der Migrationspolitik habe ich einen Fixstern: die Würde jedes einzelnen Migranten, ob er jetzt ein Recht auf Asyl hat oder Arbeit sucht, ob er in der Schweiz ist, in Libyen oder sonst wo.

Wie schnell haben wir vergessen, dass Tausende von Menschen auch unser Land verlassen haben, weil sie hier nicht überleben konnten; sie haben ihr Glück in Nord- und in Südamerika gesucht.

Wie schnell haben wir vergessen, dass unser Land vor wenigen Jahrzehnten ein armes Land war. Unsere AHV gibt es erst seit 1948, die solidarische Krankenversicherung sogar erst seit 1996.

Der Staat als Schutzengel

Und auch heute gibt es Armut in unserem Land. Ich habe diesen Herbst die Bewegung ATD Quart Monde besucht – hier, im Kanton Fribourg.

Die Menschen verhungern zwar nicht – zumindest nicht physisch. Aber sie leiden an der sozialen Ausgrenzung und an der Schwierigkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Bei vielen begann die Ausgrenzung bereits in ihrer Kindheit, Zehntausende wurden verdingt, in Heime gesteckt oder sogar ins Gefängnis weil sie ein uneheliches Kind geboren hatten.

Sie – und oft auch ihre Kinder  – haben in der reichen Schweiz bis heute keine Chance, aus dem Kreislauf der Armut herauszufinden.

Hier fehlt nicht einfach ein Schutzengel, sondern hier braucht es den Staat, die Gesellschaft, uns alle, um diesen Kreislauf der Armut endlich und definitiv zu durchbrechen.

In Zeiten, in denen es "hip" ist, den Staat schlecht zu reden, die öffentlichen Institutionen zu schwächen und die wichtigsten Informationskanäle zerschlagen zu wollen, ist es wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen, dass der Staat auch eine Art Schutzengel ist.

Le savoir pour s’élever

Oui, il est bon de rappeler, de temps à autre, que l’Etat a quelque chose d’un ange gardien.

Grâce à ses assurances sociales, l’Etat-providence vole au secours des citoyens en cas de maladie, de chômage ou de vieillesse.

Et l’Etat de Droit déploie ses ailes protectrices pour protéger chacun de l’arbitraire et de la loi du plus fort.

Mais pour agir, contre la pauvreté, pour la justice sociale, il faut avoir accès au savoir. Vouloir le savoir, transmettre le savoir, créer le savoir : je pense que c’est un travail essentiel.

Au Musée d’art et d’histoire, au Musée Bible et Orient, on transmet du savoir depuis des années. Ici on se pose des questions sur nos origines, sur le passé de l’humanité, sur les fondements de notre société, ce socle commun sur lequel nous bâtissons notre vie en communauté.

Othmar Keel par exemple, initiateur et artisan de l’exposition que nous ouvrons aujourd’hui, a consacré toute une partie de sa vie à rendre accessible à tous la dimension historique, mais aussi artistique et culturelle de la religion.

Une religion qui n’est pas figée mais qui se transforme avec les femmes et les hommes de son temps, et qui voyage à travers les continents.

Observer, rechercher, apprendre pour permettre aux autres de mieux se comprendre : c’est une tâche importante. Elle permet de mieux vivre ensemble, mais aussi d’aller vers des lendemains meilleurs. Le savoir contre l’ignorance, c’est une lutte permanente.

A Treyvaux, au centre du mouvement "Agir tous pour la dignité", un homme touché par la pauvreté m’a dit "Ici, c’est la maison du savoir". C’est dans ce lieu, qu’il a trouvé le courage de s’exprimer et de défendre ses droits.

Alors oui, ils existent les anges, les anges gardiens, ces forces qui nous dépassent.

Ce soir ils sont parmi nous. Je me réjouis de faire mieux leur connaissance.

Parce que nous autres êtres humains, nous avons besoin de quelque chose qui nous élève.

nach oben Letzte Änderung 09.11.2017