"Frauenanliegen gehen alle etwas an"

Schlagwörter: Gleichstellung

Reden, Der Bundesrat, 23.06.2018. Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Rede von Bundesrätin Simonetta Sommaruga an der Delegiertenversammlung der SP in Lausanne.


Liebe Genossinnen und Genossen
Chers camarades

Je me réjouissais beaucoup de venir à Lausanne. C’est ici, dans le canton de Vaud, que le dernier projet que j’ai défendu devant la population a fait son meilleur score.

88 pour cent ont dit oui à la loi sur les jeux d’argent, et donc oui à davantage de recettes pour l’AVS, pour le sport et pour la culture.

88 pour cent ont voté avec le PS. Un grand merci pour ce résultat, chères Vaudoises, chers Vaudois.

Et un grand merci, d’ores et déjà, pour votre soutien que j’espère tout aussi massif lorsqu’il s’agira de combattre l’initiative sur l’autodétermination.

Nun stehe ich hier mit einem Glas Wasser. Aber eigentlich sollte ich ein Bier in der Hand haben. Nicht irgendein Bier. Sondern eines aus der Region. Eines, um zu zeigen, dass Lohngleichheit unser aller Bier ist. Ein solches Bier gibt es, habe ich mir sagen lassen: Der Gewerkschaftsbund hat es brauen lassen, ganz in der Nähe, in Renens, in der Brauerei La Nébuleuse.

Es ist das Lohngleichheits-Bier, ein Dry Hopped Pale Ale.

Lohngleichheit und Chancengleichheit

Ob die Gewerkschaften auch vor dem Bundeshaus ein Fass aufgestellt haben, weiss ich nicht. Was ich weiss: Ein paar Ständeräte scheinen bei der Lohngleichheit auf den Geschmack gekommen zu sein. Endlich.

Ihr habt es Alle lesen können, und ihr habt Euch Alle dafür eingesetzt: Der Ständerat hat diese Session der Lohngleichheitsvorlage zugestimmt. Keine Frau in diesem Land darf weniger verdienen, nur weil sie eine Frau ist.

Heute bekommen Frauen im Schnitt 7000 Franken weniger Lohn, ohne dass es hierfür einen vernünftigen Grund gibt. Damit muss Schluss sein. Ich bin darum glücklich für alle Frauen in diesem Land, dass das Parlament bei diesem sozialdemokratischen Anliegen endlich vorwärts macht.

Während der Debatte hab ich ein paar Mal zu unseren Nationalrätinnen geschaut, die extra rübergekommen sind in den Ständeratssaal, um live dabei zu sein.

Jeder einzelnen hat man die Ungeduld angesehen, das Unverständnis über die Hinhaltetaktik der Gegner.

Diese Ungeduld hat ihren Grund. Die Frauen in diesem Land warten schon zu lange – und nichts macht dies so deutlich wie das Wandbild, das im Ständeratssaal thront.

Auf dem Bild ist eine Landsgemeinde zu sehen. Es wird gestikuliert und geredet. Abgeschirmt wird die Versammlung durch eine kniehohe Mauer und ein paar Soldaten. Rundherum spielen Kinder und reden mit den Soldaten.

Und die Frauen? Eine stillt ihr Kind, eine andere schenkt einem Trommler Wein ein, und eine Dritte winkt einem Schiff zu. Im Ring selber findet man keine einzige Frau. Die Frauen sind draussen.

Dort, wo die Entscheidungen gefällt werden, hat es nur Männer. Das war früher so, und es ist heute leider nur zu oft immer noch so.

Ich möchte das ändern. Ich will, dass die Frauen in diesem Land eine faire Chance haben, ganz nach oben zu kommen, in der Politik und in der Wirtschaft. Ich will Chancengleichheit für alle.

Heute sind die Teppichetagen in den grossen Schweizer Unternehmen ja ein Männerclub.

Doch das ändern wir jetzt: Der Nationalrat hat vorletzten Donnerstag Ja gesagt zu Zielquoten in den Chefetagen. Und wir von der SP haben diesen Entscheid möglich gemacht.

Ein weiter Weg

Die Frauen in diesem Land haben einen weiten Weg zurückgelegt. Wie weit, ist mir bewusst geworden, als ich vor kurzem die Geschichte meines Departements studiert habe.

Zu dieser Geschichte gehört eine Frau namens Emma Müller. Für ihre Geschichte müssen wir 100 Jahre zurückgehen, ins Jahr 1918.

1918 ist Landesstreik, ein zentrales Jahr für unser Land. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben damals die Weichen gestellt für eine soziale Schweiz, für die AHV und die Frauenrechte.

1918 ist aber auch für Emma Müller ein wichtiges Jahr. Sie hat eine Stelle im Justizdepartement erhalten.

Ich weiss, für einige von Euch gibt es wahrscheinlich Grösseres als eine Stelle im EJPD. Aber Emma Müller ist ein besonderer Fall.

Mein Departement hat damals dem Bundesamt für geistiges Eigentum erstmals die Erlaubnis geben, "zwei bis drei weibliche Kanzleibeamte" einzustellen. Nicht um Patente zu beurteilen. Nein: Es ging um die Besorgung von Schreibmaschinenarbeiten.

So hat die Berufswelt lange ausgesehen. Aber ich sehe keinen Grund, wieso das heute noch so sein soll.

Was aus Emma Müller geworden ist, weiss ich leider nicht. Wahrscheinlich hat sie die Einführung des Frauenstimmrechts oder den Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung nicht mehr erlebt.

Was ich mit Sicherheit weiss: Diese Fortschritte hat es nur gegeben, weil die SP dafür gekämpft hat.

Unsere Frauen und unsere Männer sind es gewesen, die dafür auf die Strasse gegangen sind und die Anliegen der Frauenbewegung ins Parlament und in den Bundesrat getragen haben. Die SP ist die Partei, in der die Frauen auch auf die Männer zählen können.

Gemeinsam haben wir Vieles erreicht.

Noch ist unsere Arbeit aber nicht zu Ende. Die Lohngleichheit muss noch in den Nationalrat, die Zielquoten für Frauen in den Ständerat, und auch sonst bleibt gesellschaftspolitisch viel zu tun.

Frauenanliegen gehen alle etwas an

Genossinnen und Genossen

Frauenanliegen betreffen nicht nur die Frauen. Faire Löhne und Chancengleichheit sind nicht nur ihr Bier. Sie gehen die ganze Gesellschaft etwas an.

Si les femmes ont les mêmes chances dans les entreprises, si elles sont rémunérées équitablement, s’il y a des places de crèche abordables et des emplois à temps partiel pour les femmes et les hommes, alors seulement nous pouvons remettre en question les schémas anciens, et pas seulement dans le monde du travail. Mais aussi dans la vie quotidienne. Aucune femme ne devrait avoir à choisir entre profession et famille. Et aucun homme non plus.

Au PS, nous avons toujours eu une vision très large de la justice sociale. Nous n’avons jamais exigé l’égalité des chances et l’équité pour un petit nombre seulement.

C’est pour toutes et tous, sans privilèges, que nous faisons de la politique.

Et c’est pour ça que nous, socialistes, sommes indispensables.

Merci de votre soutien.

 

Weitere Infos

Dossier

nach oben Letzte Änderung 23.06.2018