Ablehnung der Volksinitiative "6 Wochen Ferien für alle": Statement von Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren

Volk und Stände haben die Volksinitiative „6 Wochen Ferien für alle“ abgelehnt. Sie sind damit der Empfehlung von Bundesrat und Parlament gefolgt. Der Bundesrat hatte die Initiative vor allem aus zwei Überlegungen zur Ablehnung empfohlen: Die Initiative gab erstens keine Antwort auf die Frage, wer die Arbeit machen soll, wenn alle eine oder zwei Wochen mehr in den Ferien sind. Und die zweite Überlegung war: Ferien sind nicht für alle das einzig richtige Mittel gegen den Stress in der Arbeitswelt.

Für das Anliegen, das hinter der Initiative stand, haben der Bundesrat, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus Parlament und Wirtschaft, von Anfang an Verständnis gezeigt. Und auch nach der Ablehnung der Initiative bleibt dieses Anliegen bestehen:

Nur gesunde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können auch gute Arbeit leisten. Und das bedeutet: Die Arbeitnehmenden brauchen genügend Zeit für Erholung, sie brauchen den Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben. Allerdings sind die Bedürfnisse der einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehr unterschiedlich. Kürzere Wochenarbeitszeiten, regelmässige Pausen, eine Teilzeitstelle, Jahresarbeitszeit oder Einrichtungen für die Kinderbetreuung bringen vielen mehr als zusätzliche Ferien.

Was die Ferien anbelangt, haben schon heute viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr als vier Wochen. Bei den über 50-Jährigen zum Beispiel sind es 90 Prozent. Die Arbeitgeber haben offenbar gemerkt, dass arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen langfristig auch ihnen zugutekommt. Gesunde und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, ich sage es noch einmal, die Grundlage eines erfolgreichen Betriebes. Umgekehrt verursachen gestresste und erschöpfte Mitarbeitende Kosten. Die Rede ist von 10 Milliarden Franken stressbedingter Kosten. Das belastet die Wirtschaft und die Allgemeinheit. Es ist deshalb im Interesse aller, diese Kosten zu senken. Investitionen in die Arbeitsbedingungen lohnen sich. Das habe ich im Abstimmungskampf von Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft immer wieder gehört. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass die Arbeitgeber auch nach dieser Abstimmung grosses Gewicht auf arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen legen. Die geltende Ferienregelung, an der Volk und Stände festgehalten haben, gibt ihnen dafür jedenfalls genügend Spielraum.

Letzte Änderung 11.03.2012

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