"Auch harte Strafen sind nötig"
20 Minuten, Marcel Amrein
20 Minuten: "An der Luzerner Gewaltkonferenz äusserte sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga zur öffentlichen Sicherheit. Im Interview erklärt sie, warum ihr die brutale Alltagsgewalt Sorgen bereitet."
Frau Bundesrätin, viele Schweizer haben zunehmend Angst, sich im öffentlichen Raum zu bewegen – ein unerträglicher Zustand, auch für Sie?
Simonetta Sommaruga: Ja, denn in einem Land wie der Schweiz müssen sich die Leute im öffentlichen Raum sicher und frei bewegen können. Doch immer wieder werden Leute grundlos angegriffen und verletzt oder zusammengeschlagen. Der Staat hat die Aufgabe, dem entgegenzuhalten.
Die Schwere und Härte der Delikte hat zugenommen, teils setzen auch sehr junge Täter sofort tödliche Schläge und Kicks ein. Was sagen sie zu dieser Hemmungslosigkeit?
Auch ich bekomme von Spitälern bestätigt, dass die Verletzungen oft gravierend sind. Es ist in der Tat eine erschreckende Enthemmung festzustellen, gerade bei jungen Tätern.
Ein grosser Teil der Gewalt geht von einigen wenigen Intensivtätern aus.
Ja, und es sind oft auch diese Fälle, die das meiste Medienaufsehen erregen und die uns am fassungslosesten machen. Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit Kantonen und Gemeinden mögliche Lösungswege aufzuzeigen.
Wo liegen denn diese Lösungen: In besserer Prävention, oder in stärkerer Repression?
Beide Elemente sind nötig. Sicher gibt es bei der Prävention Ausbaumöglichkeiten – interessant sind etwa Computerprogramme, mit denen man potenzielle Straftäter frühzeitig erkennen will. Aber auch harte Strafen sind nötig, ebenso wie gute Instrumente zur Aufklärung von Verbrechen und zur Wiedereingliederung von Straftätern. Gerade in der Jugendkriminalität ist zudem die vernetzte Zusammenarbeit wichtig – Schulen, Eltern und Polizei müssen voneinander wissen, was sie machen.