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Veröffentlicht am 6. April 2008

"Haben Sie Angst, Frau Bundesrätin?"

SonntagsBlick, Christof Moser und Marcel Odermatt

Im Interview mit dem SonntagsBlick äussert sich Bundesrätin Widmer-Schlumpf zum Verzicht auf ihren Auftritt am Zürcher Sechseläuten.

Sie verzichten auf Ihren Sechseläuten-Auftritt. Ist es ein gutes Signal, wenn sich die Justizministerin nicht mehr auf die Strasse traut?
Diese Darstellung der Situation ist falsch, ich traue mich durchaus auf die Strasse. Ich lasse mich nicht einschüchtern und sage in aller Klarheit: Die Polizei ist in jedem Fall in der Lage, mich zu schützen. So wie jedes andere Mitglied der Landesregierung auch.

Dann stimmt es, was die SVP sagt: Haben Sie Angst vor dem Volk, vor Buhrufen und Pfiffen?
Nein, so ist es nicht. Ich erhalte viel Unterstützung aus der Bevölkerung und muss mich nicht fürchten, auch wenn der Unmut gegen meine Person derzeit geschürt wird.

Warum haben Sie dann Ihren Auftritt abgesagt?
Es gibt Anlässe, an denen meine Präsenz als Bundesrätin zwingend ist. Diese Auftritte nehme ich in jedem Fall wahr. Die Teilnahme am Sechseläuten ist jedoch kein solch zwingender Auftritt. Nach Rücksprache mit den beim Bund zuständigen Stellen war klar, dass ein gewaltiger Aufwand hätte betrieben werden müssen, um mich zu schützen. Als ehemalige Finanzdirektorin erschienen mir die Kosten in keinem Verhältnis. Deshalb habe ich mich entschieden, von einer Teilnahme abzusehen.

Die Zunft kommunizierte die Absage anders. Es entstand der Eindruck, Ihre Sicherheit könne nicht gewährleistet werden.
Nochmals: Die Polizei ist jederzeit in der Lage, meine Sicherheit zu garantieren. Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Wie gross der Aufwand ist, der betrieben werden muss, damit ich als Gast an einer Veranstaltung teilnehmen kann.

Ist Ihnen die Absage schwergefallen?
Ich bin Bürgerin von Mönchaltdorf im Kanton Zürich, habe in Zürich studiert und war schon als Studentin an diesem Anlass dabei. Ich habe mich sehr auf das Sechseläuten gefreut und habe diesen Entscheid schweren Herzens getroffen.